Magenkarzinom: Diagnose
Magenkarzinom
Definition
Das Magenkarzinom wird als maligner epithelialer Tumor der Magenschleimhaut mit überwiegend drüsiger Differenzierung definiert.
Ursachen
- 60% aller Magenkarzinome entstehen auf der Basis einer von Helicobacter pylori (2- bis 3-fach erhöhtes Risiko) hervorgerufenen chronischen Gastritis
Nitrosamine, Aflatoxine, Teerstoffe durch Rauchen- Mangel an Vitamin A und C, Obst- und Gemüsearme Diät
- perniziöse Anämie (Vitamin B12-Mangelanämie)
- Morbus Ménétrier
- adenomatöse Magenpolypen
- Zustand nach Magenteilresektion
- niedriger sozialer Status
- genetische Prädisposition (s.u. Genetik)
Epidemiologie
Das Magenkarzinom gehört weltweit zu den häufigsten Malignomen, die Inzidenz liegt bei ca. 10/100.000/Jahr und das Verhältnis Männer:Frauen = 1:1 (siehe auch krebszentrum.at/Österreichische Statistik)
Wie entsteht Krebs?
- Entwicklung bösartiger Zellen
- unkontrolliertes Wachstum der Tumorzellen
- Aussaat ("Metastasierung") von Tumorzellen
(Details siehe Kapitel Chemotherapie)
Stadien Magenkarzinom
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T
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Primärtumor
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T x
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Primärtumor nicht beurteilbar |
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T 0
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kein Hinweis auf Primärtumor |
| Tis | Carcinoma in situ: intraepithelialer Tumor ohne Infiltration der Lamina propria |
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T 1
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Tumor infiltriert Lamina propria mucosae bis Submukosa, d.h. die innersten Schleimhautschichten der Magenwand |
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T 2
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Tumor infiltriert Muscularis propria oder Subserosa, d.h. der Tumor reicht bis in die äußersten Schichten der Magenwand |
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T 3
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Tumor penetriert Serosa (viszerales Peritoneum), infiltriert aber nicht benachbarte Strukturen |
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T 4
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Einwachsen in benachbarte Strukturen (Milz, Leber, Dünndarm, Kolon transversum, Bauchspeicheldrüse, Zwerchfell, Bauchwand, Nebennieren, Nieren, Retroperitoneum) |
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N
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regionäre Lymphknoten
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N x
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regionäre Lymphknoten nicht beurteilbar |
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N 0
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keine regionären Lymphknotenmetastasen |
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N 1
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Metastasen in 1-6 regionären Lymphknoten |
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N 2
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Metastasen in 7-15 regionären Lymphknoten |
| N 3 | Metastasen in mehr als 15 regionären Lymphknoten |
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M
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Fernmetastasen
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M x
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Fernmetastasen nicht beurteilbar |
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M 0
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keine Fernmetastasen |
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M 1
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Fernmetastasen |
Metastasierung
Ausbreitung auf drei Wegen: lymphogen, hämatogen und per continuitatem
- Lymphknoten (Virchow-Drüse)
- Leber
- Lunge
- Bauchspeicheldrüse
- Knochen
- Gehirn
- Eierstöcke (Krukenberg-Tumoren: „Abtropfmetastasen“)
- Bauchfell
Genetik
- 2- bis 4-fach erhöhtes Risiko, wenn Verwandte 1. Grades betroffen sind
- erhöhtes Risiko für Personen mit der Blutgruppe A
Histologie
- vorwiegend Adenokarzinome (80% der Fälle; papilläres, tubuläres und muzinöses Adenokarzinom; Siegelringzellkarzinom)
- MALT-Lymphome, Gastrointestinale Stromatumoren (GIST), adenosquamöse Karzinome, kleinzellige Karzinome, Plattenepithelkarzinome, Sarkome (lymphoretikuläre Sarkome, Leiomyosarkome), undifferenzierte Karzinome, Karzinoide
Histologische Klassifikation nach Lauren:
- intestinaler Typ: polypöses Wachstum, günstigere Prognose
- diffuser Typ: infiltratives Wachstum, ungünstige Prognose
- Mischtyp: klinisches Verhalten entspricht Karzinomen vom diffusen Typ
Lokalisation
- Antrum und Pylorus (50-80%)
- Fundus und Korpus (20-30%)
- Kardia (10-20%)
Symptome
- erst relativ spät, Frühkarzinome nur durch Gastroskopie erkennbar (uncharakteristische Beschwerden)
- verschiedenste Unverträglichkeiten: Inappetenz, Abneigung gegen Fleischspeisen
- Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Leistungsknick, Müdigkeit
- Anämie (Blutung)
- Druckgefühl und Schmerzen im Oberbauch
- Schluckbeschwerden (Kardiakarzinom)
- Übelkeit/Erbrechen (Stenosierung im Antrum)
- Teerstuhl
- Foetor ex ore
- Acanthosis nigricans
Diagnostik
Klinische Untersuchung
- Inspektion (Kachexie)
- Palpation des Abdomens (tastbarer Oberbauchtumor, bei jedem dritten Patienten mit Magen-Ca, evtl. Aszites, evtl. Lebermetastasen)
- Palpation von Lymphknotenmetastasen in linker Supraklavikulargrube ("Virchow-Drüse")
Labor
- Routinelabor
- Tumormarker: CA 72-4, CEA, CA 19-9
Endoskopie
Endoskopische Untersuchung mit mehrfacher gezielter Probeexzision und histologischer Untersuchung
Röntgen
- Thoraxübersicht (Lungenmetastasen?)
- evtl. Doppelkontrastuntersuchung des Magens (Wandstarre, polypöse oder ulzeröse Formationen?)
Sonographie und/oder Computertomographie
- Tumorausdehnung
- Lymphknotenmetastasen
- Lebermetastasen
- Aszites/Peritonealkarzinose
Endosonographie (Staging)
- evtl. Probelaparotomie (bei unklarem Befund; Aussage über lokale Operabilität des Tumors)
- Ganzkörperknochenszintigraphie bei Verdacht auf ossäre Metastasierung
- ggf. Positronenemissionstomographie
Merke: Bei jedem Verdacht auf Magenkarzinom ist die endoskopische und histologische Abklärung zwingend vorgeschrieben. Im Einzelfall kann die Röntgenuntersuchung des Magens im Doppelkontrastverfahren entscheidend zur Diagnose (Linitis plastica) beitragen.
Differentialdiagnose
- Ulcus ventriculi
- Refluxerkrankung
- Reizmagen-Syndrom (Ausschlussdiagnose)
- Erkrankungen von Leber, Gallenwegen oder Pankreas
- andere Raumforderungen des Magens (Lymphome, Sarkome, Karzinoide, Polypen, Metastasen anderer Primärtumoren, Leiomyom, Fibrom, Lipom, Neurinom)
Komplikationen
- Anämie bei akuter oder chronischer Blutung
- Magenausgangsstenose
- Perforation mit Peritonitis
- Aszites bei Peritonealkarzinose
- Paraneoplastische Syndrome: Akanthosis nigra, Thromboseneigung, Myositiden
Vorsorge
Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen
(für Österreich gültige allgemeine Empfehlung des Arbeitskreises u. wiss. Komitees der ESO Wien)
Es ist den an der Erarbeitung der nun vorliegenden Empfehlungen beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften bzw. ihren Arbeitsgruppen besonders zu danken, dass sie eine neuerliche Anstrengung unternommen und an der Erstellung der nunmehrigen Empfehlung mitgearbeitet haben. Im Sinne dieser Vorgangsweise wurde bewusst zwischen Früherkennung und Screening in folgender Weise unterschieden:
Als Früherkennung wurde - in direkter Anlehnung an die Empfehlungen der American Cancer Society - die Entdeckung einer Abnormalität in einer asymptomatischen oder symptomatischen Einzelperson aufgefasst, während Screening die systemische Suche nach einer Erkrankung in einer definierten Population bedeutet hätte.
Bei der Erstellung der Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen wurden folgende Prämissen besonders beachtet:
- Es musste als gesichert gelten, dass die Untersuchung medizinisch effektiv in Hinblick auf eine Früherkennung der Krebserkrankung ist, um die Morbidität und/oder Mortalität positiv zu beeinflussen,
- die durch die Untersuchungen erzielten Vorteile sollten gegenüber den Risken überwiegen und
- die Untersuchungen selbst praktikabel und durchführbar sein.
Somit liegt nun eine für Österreich gültige allgemeine Empfehlung für die Mindesterfordernisse einer Früherkennung maligner Erkrankungen bei Einzelpersonen vor, von der wir wiederum hoffen, dass sie auf ähnliche Akzeptanz wie die vorhergehenden Publikationen dieser Arbeitsgemeinschaft stoßen und unser aller Arbeit im Sinne einer Standardisierung der Vorgangsweise für die sich uns anvertrauenden Menschen erleichtern wird.
(Univ. Prof. Dr. Christoph Zielinski, Univ. Prof. Dr. Michael Krainer, Univ. Prof. Dr. Thomas Brodowicz, Koordinatoren des Arbeitskreises und des wiss. Komitees der ESO - Wien)
(Übersicht der Krebsarten, Genetische Testung, Tumormarker, wiss. Gesellschaften: siehe www.krebszentrum.at/Entstehung, Vorsorge, Statistik)
Vorsorge Magenkarzinom
| Normalpopulation | Maßnahme | Intervall | Empfehlung/Zeitpunkt |
| Primärprävention | Laufend | niedriger Fettkonsum (<20% des Kalorienbedarfs); ausgewogene Diät mit Ballaststoffen und Vitaminen; Vermeidung von Übergewicht und Nikotin; körperliche Bewegung |
| Risikopopulation | Maßnahme | Intervall | Empfehlung/Zeitpunkt |
| Magenkarzinom in der Familie | Gastroskopie | Einmalig | 10 Jahre vor Erkrankungsalter des betroffenen Familienmitglieds |
| Perniziöse Anämie | Gastroskopie | Einmalig | |
| Morbus Menetrière | Gastroskopie | Einmalig | Helicobacter pylori-Eradikation? |
| Operierter Magen | Gastroskopie | Einmalig | 15 Jahre nach Op. H.P.-Eradikation? |
| H.p.-assoziierte Gorpusgastritis mit intestinalen Metaplasien |
Gastroskopie | Jährlich | ab 50. Lebensjahr H.P.-Eradikation? |
Prognose
- ohne Behandlung Tod meist innerhalb eines Jahres
- insgesamt 5-Jahres-Überlebenschance (T2-4, N0-3, M0-1) 25-40%
- bei Frühkarzinomen (Tis/T1 N0 M0) über 90–95% (nach japanischen Untersuchungen)
Präkanzerosen
Als solche gelten:
- echtes Adenom
- chronisch-atrophische Gastritis
- Morbus Ménétrier
- Magenpolypen
- Ulcus ventriculi
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Nachruf Prof. Helmut Mittermayer
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EHA-Kongress: Bendamustin im klinischen Alltag
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Jahrestagung 2010 der OEGGG in Zell am See
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